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Green Controlling – Aufgaben und Herausforderungen

Christin Kleinoth7. November 2019
4 min Lesezeit
  • Controlling

Wenn die globale Temperatur um 2°C ansteigt, leiden 3,7 Milliarden Menschen an Wasserknappheit.[1] – Immer wieder begegnen einem diese und ähnliche Nachrichten im alltäglichen Leben. Nachhaltigkeit gehört schon lange zu den aktuellsten Diskussionsthemen, die Sensibilität dafür nimmt in allen Lebensbereichen zu. Das betrifft auch das Controlling. Unter dem Stichwort „Green Controlling“ werden ökologische Aspekte in das Unternehmenscontrolling eingearbeitet. Dieser Blogbeitrag thematisiert die Auswirkung auf die Aufgaben des Controllings und betrachtet die Rolle der Controller in diesem Zusammenhang genauer.


Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff „Nachhaltigkeit“? Als Anhaltspunkt dient beispielsweise das Drei-Säulen-Modell nachhaltiger Entwicklung, was sich aus der ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension zusammensetzt. Die These ist, „dass nachhaltige Entwicklung nur durch gleichzeitiges und aufeinander abgestimmtes Umsetzen von ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen gelingt – so lässt sich die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft sicherstellen und weiterhin verbessern.“[2] Die ökologische Dimension bezieht sich vor allem auf den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, wie zum Beispiel Wasser. Die ökonomische Dimension meint den langfristigen Wohlstand und die soziale Dimension thematisiert wiederum die gerechte Güterverteilung sowie die Generationengerechtigkeit.

Beginnend bei dem Einzelnen bis hin zu Konzernen bezieht sich eine nachhaltige Verantwortung auf alle drei Dimensionen. Bei Unternehmen stand bislang vor allem die ökonomische Dimension im Fokus, durch die zunehmende Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf ein nachhaltiges Verhalten rücken jedoch auch die zwei anderen Dimensionen immer mehr in den Vordergrund.[3] „Die Auffassung des Umweltschutzes als Kostenfaktor gilt als überholt und ist durch eine chancenorientierte Betrachtung zu ersetzen.“[4] Um als Unternehmen langfristig mit der Nachhaltigkeit erfolgreich sein zu können, dient das Fünf-Stufen-Modell als Orientierung.[5]

Abb. 1: Fünf-Stufen-Modell zum nachhaltigen Unternehmenserfolg. In Anlehnung an: Nidumolu/Prahald/Rangaswami (2009), In fünf Schritten zum Nachhaltigen Unternehmen, in: Harvard Business Manager, H. 12 (2009), S. 56. (c) ICV, 2011.

Das Fünf-Stufen-Modell bietet einen Leitfaden, sich als Unternehmen Schritt für Schritt zu entwickeln und das Thema Nachhaltigkeit auch für den wirtschaftlichen Erfolg zu nutzen. Die Nachhaltigkeit birgt viele Chancen aus unternehmerischer Sicht, da neue Produkte, Geschäftsmodelle und Märkte entwickelt werden können. Sie dient also ebenfalls als ökonomische Investition in die Zukunft. Um die Stufen erfolgreich absolvieren zu können, muss die Entwicklung jedoch ganzheitlich stattfinden. Alle Unternehmensbereiche sind Teil dieses Prozesses und leisten ihren Anteil zum Erfolg, so auch das Controlling.

Nachhaltigkeit im Controlling

In diesem Zusammenhang hat sich der Begriff „Green Controlling“ etabliert. Das Green Controlling ist dafür zuständig, im Unternehmenscontrolling die ökologischen Aspekte der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen.[6] Diese müssen stärker in die Unternehmenssteuerung eingearbeitet werden, „um somit die Wirtschaftlichkeit ökologischer Unternehmensstrategien zu überprüfen und deren Zielerreichung zu überwachen.“[7] In diesem Zuge soll das Controlling die Unternehmensleitung in der Umsetzung von ökologischen Themen beraten.[8]

Mit diesen neuen Ansprüchen und Themengebieten erweitert sich auch das Aufgabenspektrum des Controllers. Es bedarf neuer Kennzahlen und Bewertungsansätze sowie eine andere Kommunikation und Interpretation von Investitionsmöglichkeiten. Folgende neue Aufgaben lassen sich definieren:

  • Weiterentwicklung der Controlling-Strukturen und -Systeme entsprechend der nachhaltigen Aspekte
  • Entwicklung „grüner“ KPIs
  • Investitionsrechnungen entsprechend anpassen, um Investitions- und Innovationsmaßnahmen beurteilen zu können
  • Überwachung der nachhaltigen Ziele
  • Durchführung von Wettbewerbsanalysen in Bezug auf Nachhaltigkeit, Entwicklung von nachhaltigen Erfolgsfaktoren
  • Erhöhung der Sensibilität für nachhaltige Themen im Unternehmen [9]

Aktuell ist jedoch die Umsetzung dieser neuen Aufgaben noch eine Herausforderung für das Controlling. Insbesondere die Messung und Bewertung von Nachhaltigkeitsinitiativen gestalten sich noch schwer, da sich beispielsweise Investitionen in diesem Bereich eher langfristig rentieren und es oft an konkreten, messbaren KPIs fehlt. „Dennoch ist ein Anfang gemacht: Der Standard der ‚Sustainability Reporting Guidelines‘ der Global Reporting Initiative (globalreporting.org) definiert rund 130 Indikatoren, anhand welcher sich die eigene Nachhaltigkeitsperformance bezogen auf die drei Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales analysieren und messen lässt.“[10]
Des Weiteren ruft die interne Kommunikation häufig noch Probleme hervor, da die Rollenverteilung nicht klar geregelt ist, es an Abstimmung fehlt und Verständnisprobleme sowie Wissensdefizite existieren.[11] Prozesse müssen noch etabliert und optimiert werden, da es wenig Erfahrung im Umgang mit Nachhaltigkeitsinitiativen in Unternehmen gibt. Wichtig ist daher die gemeinsame Erarbeitung dieser Themen.

Fazit und Ausblick

Insgesamt wird deutlich, dass die Nachhaltigkeit langfristig in allen Lebensbereichen eine wichtige Rolle spielt, gerade in Bezug auf den Klimaschutz. So wird die Thematik auch im Controlling unausweichlich sein. Dennoch sollte dies nicht nur im Sinne der ökologischen Dimension, sondern auch als Chance für wirtschaftliche Performance betrachtet werden, da sich damit ein neues Feld in der Ökonomie eröffnet. Nur wenn eine Investition in nachhaltiges Wirtschaften auch als Investition in erfolgreiches Wirtschaften verstanden wird, werden wir hier langfristige und ausschlaggebende Veränderungen sehen.


[1] Vgl. Marcel Wagner, „Eindeutige Fakten, verheerende Aussichten“, in: tagesschau.de, letzter Stand des Artikels: 25.09.2019, URL: https://bit.ly/31UGclv, Stand: 20.10.2019.

[2] K. Bauer, „Green Controlling I: Nachhaltigkeit als Zukunftsthema“, in: maxControlling. Der Controlling-Blog, URL: https://bit.ly/32WZc4c, Stand: 30.10.2019.

[3] Vgl. Bauer, „Green Controlling I: Nachhaltigkeit als Zukunftsthema“ (s. Anm. 2).

[4] Dipl.-Kfm. techn. Johannes Isensee, IPRI gGmbH, Stuttgart, Green Controlling – eine (neue) Herausforderung für Controller? – Relevanz und Herausforderungen der Integration ökologischer Aspekte in das Controlling aus Sicht der Controllingpraxis. Ergebnisse einer Studie im Internationalen Controller Verein (ICV) durch die ICV-Ideenwerkstatt, hrsg. von Internationaler Controller Verein (ICV), Gauting/ Stuttgart 2011, URL: https://bit.ly/34dkPxl, Stand: 30.10.2019, S. 4.

[5] Vgl. Ebenda.

[6] Vgl. Christina Schrader, Bernhard H. Vollmar, Green Controlling: ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur nachhaltig orientierten Unternehmensführung, hrsg. von PFH Private Hochschule Göttingen, PFH Forschungspapiere, No. 2013/04, URL: https://bit.ly/2ppKWCC, Stand: 30.10.2019, S. 8.

[7] Ebenda, S. 13.

[8] Vgl. Ebenda.

[9] Vgl. K. Bauer, „Green Controlling IV: Der Controller als Fixpunkt für nachhaltiges Wirtschaften“, in: maxControlling. Der Controlling-Blog, URL: https://bit.ly/2MXaYG8, Stand: 30.10.2019.

[10] Bauer, „Green Controlling IV: Der Controller als Fixpunkt für nachhaltiges Wirtschaften“ (s. Anm. 9).

[11] Vgl. Isensee, IPRI gGmbH, Green Controlling – eine (neue) Herausforderung für Controller? (s. Anm. 4), S. 26.