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32. Stuttgarter Controlling und Management Forum – Recap

Anisa Mayer28. September 2018
4 min Lesezeit
  • Controlling

Hochrangige Experten und Manager diskutierten über aktuelle Themen in der digitalen Organisationswelt

Auch dieses Jahr waren wir vom 18.-19. September 2018 auf dem 32. Stuttgarter Controlling und Management Forum (SCF) vertreten. Das Programm beinhaltete viele interessante Vorträge von Führungskräften und Experten aus Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung und Wissenschaft. Unternehmen wie die Deutsche BahnMercedes Benz Cars oder die BOSCH Rexroth AG teilten Wissen und Erfahrungen bezüglich der Digitalisierung in der Finanzabteilung. In den Kaffeepausen hatten die Teilnehmer die Möglichkeit sich auszutauschen und über die Zukunft der Unternehmenssteuerung zu diskutieren.

Unternehmenssteuerung in der digitalen Organisationswelt – der CFO als Chief Future Officer

Unter diesem Motto eröffnete Dr. Uwe Michel (Mitglied des Vorstandes der Horvath AG) gemeinsam mit seinen Kollegen René Linsner und Stefan Tobias (Partner bei Horváth & Partners) die Veranstaltung. Ihr Vortrag befasste sich mit den nächsten Stufen der digitalen Transformation – der Zukunft von Finance & Controlling. Besonders interessant sind die Erkenntnisse aus einer Befragung zum Thema Transformation im Finanzbereich. Der Status quo verschiedener Bereiche (Advanced Analytics, Predictive Forcasting, etc.) des Transformationsprozesses entspricht demnach nicht der Wichtigkeit, welche der jeweiligen Thematik zugeschrieben wird. Die Transformation der Unternehmenssteuerung hat bereits begonnen. Deshalb ist die Formulierung klar definierter Ziele notwendig, um den Veränderungsprozess effizient zu gestalten.

Abb. 1: Transformation im Finanzbereich. Horváth & Partners (c) 2018

Wer in Zukunft erfolgreich sein will, muss sich heute verändern

Wolfgang Heinrichs, Leiter Konzernprogramm FINANCE 4 DB, befasste sich in seinem informativen Vortrag mit der digitalen Zukunft der Finanzfunktion der Deutschen Bahn AG. Neben der Frage “Was tut man, um Veränderung herbeizuführen?” ist es seiner Ansicht nach noch wichtiger darauf einzugehen, wie der Transformationsprozess herbeigeführt werden soll. Zu diesem Zweck wurde vor einem Jahr das auf 3-5 Jahre ausgerichtete Programm ins Leben gerufen. Es beabsichtigt die Steigerung der Effizienz sowie der Exzellenz der Finanzfunktion, um diese mit den Möglichkeiten der Digitalisierung zukunftsfähig aufzustellen. 

“Digitalisierung macht keinen Halt, Veränderung ist tiefgehend und nicht aufzuhalten.” – Wolfgang Heinrichs

Er teilte die Erkenntnisse einer Befragung mit Führungskräften der DB bezüglich dem aktuellen Stand der Finanzfunktion:

  • Die Steuerungswirkung der Finanzfunktion wird als reaktiv und zu stark vergangenheitsorientiert angesehen
  • Für 80% der Teilnehmer sind digitale Veränderungen und Änderungen in der IT-Landschaft wichtig
  • “Erbsenzählerei” muss überwunden werden
  • Bei der Vorschau fehlt die Veranschaulichung durch Treibermodelle
  • Sie benötigen dringend die Integration von operativen und finanziellen KPIs

In verschiedenen Fokusprojekten stellen sie sich unterschiedlichen Herausforderungen, wie bspw. der Verringerung der Komplexität der Finanzfunktion. Eines der Ziele des Projektes ist die Steigerung der Geschwindigkeit von Analysen, da sich der Gegenstand der Analyse schnell wieder verändert.

Die Rolle des CFOs in der Zukunft

Eines der Kernthemen der Veranstaltung beinhaltete die aktuelle und zukünftige Veränderung der Rolle des CFOs in Organisationen.

“Der CFO als Zukunftsgestalter führt neue Technologien wie Blockchain, Robotics und Machine Learning ein, er gestaltet die digitale Organisationswelt mit, nutzt Start-Ups zum Aufbau digitaler Geschäftsmodelle, ist ein Treiber der digitalen Transformation im Unternehmen und richtet die Unternehmenssteuerung entsprechend neu aus.” – Vorwort Horváth & Partners

Als Mitglied des Vorstandes der Bosch Rexroth AG ging Dr. Markus Forschner in seinem Vortrag näher auf die Rolle des Controllers in der Zukunft ein. Demnach müssen Controller die Langfristperspektive strategisch ausrichten, Weichen für den Transformationserfolg stellen (Volatilität antizipieren und Transparenz erhöhen), aber auch Tools gestalten können.

Auch Dr. Konstantin Sauer (Mitglied des Vorstandes (CFO) bei der ZF Friedrichshafen AG) beschrieb den CFO als:

  • Forscher (Nutzung neuer Technologien)
  • Entrepreneur (Neue Geschäftsmodelle, Strategische Allianzen, Corporate Spinn Off)
  • Motivator (Agile Arbeitsmethoden und neue Arbeitsumgebungen)
  • Treiber (Business Transformation) und 
  • Gestalter (Standardisierung der Geschäftsprozesse, Stammdaten, Prozess-Plattformen).

Neben den Vorträgen hatte das anwesende Fachpublikum die Möglichkeit, im TED-Verfahren über bestimmte Fragestellungen und die Relevanz bestimmter Aussagen abzustimmen.

Besonders erwähnenswert waren die folgenden Ergebnisse: 

  • 88% der Teilnehmer stimmten zu, dass sich die Rolle des Controllers im Rahmen der Digitalisierung vom Business Partner zum Data Scientist im Hintergrund wandelt.
  • Der Aussage, dass die Digitalisierung zu einem Rollenkonflikt zwischen CFO und CIO führe, stimmten jedoch nur 30% der Teilnehmer zu.
  • 97% der Teilnehmer waren der Meinung, dass die Finanzfunktion in Sachen Effizienzgewinne, Einsatz neuer Technologien und Ausbau des Skill-Sets mit gutem Beispiel voran gehen müsse.

Softwareunterstützung

Das Thema Softwareunterstützung, um die digitale Transformation zu ermöglichen, war Bestandteil unterschiedlicher Vorträge. Walid Mehanna, Head of Data & Analytics Mercedes-Benz Cars Finance der Daimer AG, teilte seine Erfahrungen mit dem Aufbau einer integrierten Unternehmensfunktion. Eine der Visionen seiner Abteilung ist es, qualitativ hochwertige Daten verfügbar zu machen, sodass zu jeder Zeit auf sie zugegriffen werden kann. Geeignete Softwarelösungen sollen den Controller dabei nicht ersetzen, sie sollen helfen, die menschliche Intelligenz zu ergänzen. Er ging dabei auf folgende fünf Einsatzgebiete für Anwendungen ein:

Abb. 2: Fünf Einsatzgebiete für Anwendungen. Mercedes Benz Cars (c) 2018

Fazit

Die Teilnehmer und Referenten waren sich einig: Der Transformationsprozess der Finanzabteilung hat bereits begonnen und Unternehmen müssen sich in einer digitalen Organisationswelt dementsprechend anpassen. 

Dr. Ali Arnaout (CFO von AIDA Cruises) fasste dies bei der Abendveranstaltung in einem kurzen Vortrag über die Unternehmenssteuerung der Zukunft wie folgt zusammen:

  • Informationen müssen verfügbar gemacht werden,
  • CFO‘s müssen mutig sein, auf Veränderungen einzugehen und
  • der Steuerung muss ein gewisser Grad an Flexibilität zugrunde gelegt werden (“Führung in Echtzeit”).

Neue Planungsansätze, wie Advanced Analytics oder Predicitve Forecasting, rücken damit immer mehr in den Fokus, um die Finanzfunktion zukunftsfähig aufstellen zu können.

Neben der Transformationsbereitschaft braucht es außerdem eine höhere Flexibilität für alle Bereiche in der Finanzabteilung, um einer immer stärker werdenden Volatilität im Unternehmensumfeld gerecht zu werden. Während der Veranstaltung wurde klar deutlich, dass sich die Unternehmen möglicher Auswirkungen der Digitalisierung auf den Finanzbereich bewusst sind und die Bereitschaft sich diesen zu stellen klar vorhanden ist.

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